Startseite Aktuelles Aktuelles GR-Artikel - 29.11.18: Das Versprechen lautet: Neue CDU, alte Stärke

GR-Artikel - 29.11.18: Das Versprechen lautet: Neue CDU, alte Stärke

In Bremen stellen sich die drei Top-Bewerber um den CDU-Vorsitz
in einer Regionalkonferenz der Basis vor.

Von Michael Ahlers. Bremen. Billiger, billiger, billiger, das gehe eben nicht, ruft Friedrich Merz. Die Parteifreunde in der großen, hellerleuchteten Halle klatschen. Es geht um Landwirtschaft in Niedersachsen, nicht etwa um politische Kultur. CDU-Mitglieder aus dem vergleichsweise nahen Oldenburg sorgen sich, dass zu hohe Auflagen die Branche ruinieren werden. Dann folgen Fragen zur Rente, zur Pflege, zu Frauenpolitik, zur Bundeswehr.
Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn stehen zusammen auf einer Bühne in Bre
men. Seit dem Auftakt seiner Tour in Lübeck hat das CDU-Trio schon etliche Auftritte hinter sich gebracht. Das Seid-nett-zueinander des Anfangs ist längst dem Prinzip kalkulierter Attacken gewichen, wenn auch eher außerhalb der Konferenzen. „Der eine traut’s sich zu, die andere hat’s bewiesen“, hat zum Beispiel „AKK“ Merz am Wochenende per Interview ins Stammbuch
geschrieben. Da ging es ums Wahlen gewinnen und das Schrumpfen der AfD. Merz kommt daher wie der reiche Onkel, der einst von Merkel verstoßen wurde und deshalb anderswo sein Glück versuchen musste. Dass seine Auszeit in einem Millionenvermögen endete, untermauert trotz mancher Kritik das Macher-Image. Die CDU habe tatenlos dem AfD-Siegeszug in die Parlamente zugesehen, hat der frühere Fraktionschef wissen lassen. Auch das war harter Tobak. Der forsche
Spahn wiederum ist durch die Wiederkehr des noch forscheren Merz vom Anführer der Merkel-Kritiker zum düpierten Thronprinzen geschrumpft.

Julian Klaas (35), CDU-Mitglied aus Peine, ist mit einigen Parteifreunden im Auto nach Bremen ge-
kommen, zur offizielle Regionalkonferenz des CDU-Landesverbandes Niedersachsen. Klaas ist guter Dinge. Er lobt die Regionalkonferenzen als exzellente Möglichkeit für die Basis, ergebnisoffen zu diskutieren. Der CDU-Mann spricht vom Einsatz neuer Medien, einem Video von Spahn etwa, dem Twittern von Merz. Die „Zuhör“-Tour von Kramp-Karrenbauer an der Parteibasis hat ihn ebenfalls beeindruckt. Klaas sieht ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Merz und Kramp-Karrenbauer, die Auseinandersetzung sei immer noch fair.

Bei der Vorstellung bekommt Merz den meisten Applaus, seit längerem wird er als Favorit gehandelt. Jeweils zehn Minuten haben die Kandidaten Zeit, sich vorzustellen, danach werden Fragen aus dem Publikum folgen.

Merz hat Losglück und darf anfangen. Ein paar freundliche Worte für Merkel, dann redet Merz Klartext. Die CDU habe in den vergangenen Jahren unbequeme Fragen nicht zugelassen und nicht die richtigen Antworten gegeben. „Wir müssen unser Spektrum verbreitern“, sagt Merz, aber in der politischen Mitte bleiben. Der Mann der Finanzwirtschaft spricht von gesunder Ernährung und Landwirtschaft, aber auch von Innovation und Infrastruktur. Merz bricht eine Lanze für ländliche Räume, wirbt für die EU. Er redet Stakkato, immer wieder kommt Applaus auf.
Dann kommt Spahn. „Ich möchte Sie mitnehmen ins Jahr 2040“, sagt der  Bundesgesundheitsminister - und legt so den Grundstein für seine politische Botschaft. Vom Er-
wirtschaften statt nur zu verteilen spricht Spahn, von der Lust auf Zukunft, von Ordnung. „Wir stehen hinter den Polizisten, hinter den Soldaten“, ruft Spahn, das gibt lauten Applaus. Er wolle 2040 in einem freien Europa leben. Anders alsMerz, der am Pult steht wie im Bundestag, stellt sich Spahn nach Art eines Motivationstrainers mit dem Mikrofon in der Hand auf die Bühne. „Ich will, dass wir die überflüssig machen“, sagt Spahn in Sachen AfD. Die Unterschiede zu Merz
muss man suchen.

Kramp-Karrenbauer geht als Dritte wie Merz wieder hinters Pult. Sie beginnt mit der bevorstehenden Wahl in Bremen. „Neue Stärke, darum geht es uns heute“, kommt dann der Schwenk zur großen Lage. Wer Volkspartei bleiben wolle, dürfe sich nicht mit 30 Prozent zufriedengeben. Neue Themen, neuer Stil, neue Antworten, gibt Kramp-Karrenbauer als Parole aus. „Wenn wir nicht stark sind, dann leben wir nur von der Schwäche der anderen“, ruft sie – das Satzende geht im Jubel fast unter.

Bei den Fragen haben alle mittlerweile Routine, allen Kandidaten schlägt Sympathie entgegen. Was mit der Dieselkrise sei? Es sei betrogen worden, sagt Spahn, aber man dürfe die deutsche Automobilindustrie nicht kaputt machen. Die Menschen hätten Vertrauen verloren, in Automobilindustrie und Politik, sagt Kramp-Karrenbauer. „Die beste Umweltpolitik ist moder-
ne Technologie“, sagt Merz. Ein Mitglied fragt, ob die CDU wie in Österreich als konservative Partei rechten Schaumschlägern hinterherlaufen wolle. „Das darf in Deutschland nicht passieren“, sagt Spahn. Innerparteiliche Demokratie? „Eine Partei lebt von unten nach oben“, sagt Merz. Klaas fährt zufrieden nach Hause. „Alle drei sind echt gleichauf“, meint auch Christoph Ponto.

Quelle: Gifhorner Rundschau vom 29.11.2018
Text: Michael Ahlers


 

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